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Rede zur Aktuellen Stunde im Parlament am 1.Juli 2010: Chancengleichheit und Durchlässigkeit im Bildungssystem

Berlin

Sehr geehrter Herr Präsident,
meine Damen und Herren,

der Länder Schulleistungsvergleich und das Ländermonitoring zu Kitas der Bertelsmanstiftung geben aktuellen Anlass über Erfolge und Weiterentwicklungsbedarfe im Berliner Bildungssystem zu reden.
Die Chancengleichheit und Durchlässigkeit im Bildungssystem ist eins der wichtigsten Ziele der SPD Fraktion und unser Handeln in der Bildungspolitik ist darauf ausgerichtet.
Eine gute Bildung ist für jeden Menschen die Voraussetzung dafür, am gesellschaftlichen Leben aktiv teilzunehmen und beruflich erfolgreich zu sein.
Wir sind der Auffassung, dass jedes Kind und jeder Jugendliche unabhängig vom Geldbeutel der Eltern seine Chance erhalten muss auf einen erfolgreichen Entwicklungsweg von der Kita bis zur Hochschule.
Deshalb sagen wir klar:
Bildung muss kostenfrei angeboten werden. Von der Kita bis zur Hochschule. Wie das Schwarz-Grün handhabt, zeigt die Regierung in Hamburg. Sie gehen in die gegengengesetzte Richtung und erhöhen bestehende Kitagebühren sogar.

Das ist mit uns nicht zu machen, wir lassen uns von unseren Weg der Beitragsfreiheit nicht abbringen. Uns ist es wichtig, dass möglichst viele Kinder früh unsere Bildungseinrichtungen besuchen. Denn gerade in den ersten Lebensjahren werden die Grundlagen für eine erfolgreiche Bildungsbiographie gelegt.
Berlin investiert viel Geld in sein Bildungssystem. Wir tun das bewusst und setzen klare Schwerpunkte.
Wir werden auch zukünftig als Land zu 100% die Kitakosten tragen und halten an unserem Finanzierungsystem fest, so wie es in der Rahmenvereinbarung mit den Trägern verabredet wurde.
Berlin ist bundesweit Spitzenreiter bei den Investitionen in frühkindliche Bildung.
Das aktuelle Ländermonitoring der Bertelsmann-Stiftung stellt fest, dass Berlin in die frühkindliche Erziehung, Bildung, Betreuung rund 4.150 Euro je Kind unter sechs Jahren investiert.
Damit liegen wir in Berlin deutlich über dem Durchschnitt der anderen Bundesländer. Ich finde, darauf können wir stolz sein.

Immer mehr Einjährige nutzen in Berlin die Angebote von Kitas und Tagespflege. Bei den Zweijährigen waren es 77%. Auch bei den über Dreijährigen liegt Berlin mit 94% über dem Bundesdurchschnitt.

Meine Damen und Herren,

unser politischer Ansatz zeigt Wirkung. Die Kinder besuchen früher unsere Kitas. Und sie haben dort auch die Zeit zu lernen.

Unsere sehr guten Betreuungszeiten helfen mit, das zu ermöglichen.

Jetzt komme ich zur Kita-Qualität:

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Oppositionsfraktionen:

Wer sich hinstellt und behauptet die „Qualitätsdefizite in den Kitas seien zum himmelschreiend“ oder „das Geld versickere im System“, hat keine Ahnung davon, wie sich die Kitas finanzieren und ignoriert die Veränderungen der letzten Jahre. Er missachtet die Leistung der vielen engagierten Fachkräfte. Ich finde das den Kitas und den Erzieherinnen gegenüber unmöglich - sie haben die Kitareform konsequent umgesetzt. Sie setzen mit Ihren Aussagen deren Arbeit herab.

Die Umsetzung des Bildungsprogramms, das Führen des Sprachlerntagebuchs und die kontinuierliche Fortbildung sollten wir anerkennen und vor allem auch wertschätzen und ihnen für die engagierte Arbeit danken.

Wenn Kinder mit einem Ganztagsgutschein in der Kita angemeldet sind, muss die Kita hierfür einen festgelegten Personalanteil einstellen und einsetzen – das wird auch durch das Land Berlin kontrolliert. Hier versickert also kein Geld, das ist einfach Quatsch!!

Liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU,

schauen Sie sich die Ergebnisse der CDU-regierten Länder im Monitoring an, da würde ich an Ihrer Stelle unter den Tisch kriechen.

Und wenn sie es ernst mit der Chancengleichheit von Kindern meinen, hauen Sie ihre irrsinnige Idee der Herdprämie in die Tonne. Erst dann nehmen wir Sie in der Kitadebatte wieder ernst.

Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition,
Wenn Sie sich genau informiert hätten, dann wäre Ihnen klar, dass die Ergebnisse des Länderschulleistungsvergleichs in keinster Weise mit der Arbeit in den Kitas in Zusammenhang stehen.
Die 15jährigen, die 2009 in der Schule getestet wurden, haben die Kitareform ab 2002 nicht miterleben können- da waren sie schon in der Schule.
Berlin investiert in die Qualität:
• Wir haben Qualitätsvereinbarungen mit den Trägern
• Das Bildungsprogramm und Sprachlerntagebuch wird umgesetzt
• 91% aller Berliner Fachkräfte verfügen über einen Fachschul- oder Hochschulabschluss
• Die Arbeit der Kitas wird evaluiert

Aber wir bleiben, wie sie wissen, hier nicht stehen. Wir haben bereits im Dezember die Beitragsfreiheit und weitere Qualitätsverbesserungen beschlossen. Diese sind in dem Ranking der Bertelsmann-Stiftung noch gar nicht berücksichtigt.

Wir werden unseren Spitzenplatz also noch weiter ausbauen!!!!!

Meine Damen und Herren,

ich komme zur Schule:
Ich bin der Auffassung, dass sich an der Schnittstelle von der Kita zu den Grundschulen schon einiges getan hat. Es gibt viele und gute Kooperationen, ich sehe hier aber noch Entwicklungsbedarf, damit Kinder einen guten Start in die Schule bekommen. Ich würde mich freuen, wenn die Grundschule auch mit den Instrumenten wie z.B. dem Sprachlerntagebuch arbeiten würde und nicht die Förderinstrumente der Kita ignorierten.

Wir brauchen fließende Übergänge und keine Brüche in den Lernbiografien der Kinder. Aus diesem Grund finde ich es gut, dass Senator Zöllner sich Gedanken über ein Schnittsellenkonzept in diesem Bereich macht.

Meine Damen und Herren,

ein wesentlicher Schritt zur Chancengleichheit und Durchlässigkeit im Bildungssystem ist die Einführung der Integrierten Sekundarschule.

Die Schulstrukturreform macht Schluss mit dem Stigma der Hauptschule. Ab diesem Sommer können die Berliner Kinder die Integrierte Sekundarschule besuchen. Wir legen die Haupt-, Real- und Gesamtschule zusammen und bieten so allen Kindern und Jugendlichen gleichwertige Bildungschancen. Mit diesem Ansatz stoßen wir auf eine breite gesellschaftliche Unterstützung. Viele Eltern, die IHK die Gewerkschaft und andere gesellschaftliche Gruppen sind der Auffassung, dass die Sekundarschule der richtige Bildungsansatz ist.

Alle Kinder haben in Zukunft die Möglichkeit, ihr Abitur zu machen - entweder auf der Sekundarschule oder auf dem Gymnasium.

Alle Kinder auf der Sekundarschule lernen in kleineren Klassen und erhalten ein Ganztagsangebot. Im Gymnasium werden wir das Ganztagsangebot stufenweise einführen.

Meine Damen und Herren,
Sie sehen also:
Wir reden nicht nur über Chancengleichheit und Durchlässigkeit im Bildungssystem, sondern setzten diese auch mit unseren Reformen um.

Vielen Dank!

 

Homepage Sandra Scheeres